Interview mit Dr. Ferdinand Bartels, Geschäftsführer von SPECS Surface Nano Analysis GmbH

15.02.2017

„Die Kooperationsmöglichkeiten sind so vielfältig wie unsere Systeme. Wir sind an fast allen Fragestellungen und Themen der Oberflächenanalyse sowie den verschiedensten Themenstellungen rund um Lasersysteme interessiert.” - Dr. Ferdinand Bartels, Geschäftsführer von SPECS im optiMST-Interview über die Technologien des Unternehmens und Kooperationen am Standort.

INTERVIEW

optiMST: Herr Dr. Bartels, Sie sind Geschäftsführer von SPECS, einem der führenden Hersteller von Komponenten und Systemen für die Nano-Analytik mit Hauptsitz in Berlin. Mit welchem speziellen Know-how und welchen Technologieschwerpunkten ist Ihr Unternehmen auf dem Markt vertreten?

Seit über 30 Jahren entwickeln und produzieren wir Instrumente, Verfahren und Anlagen für die Oberflächenanalyse in der Materialforschung, Chemie, Elektronik, Nanotechnologie und seit einigen Jahren nun auch für die Forschung in der Biotechnologie und Medizin. Unser Schwerpunkt sind Anlagen und Messsysteme für die Forschung und Produktentwicklung für Forschungsinstitute und forschende Unternehmen. Wir streben mit unseren Produkten nach technologischer Differenzierung, wenn möglich auch Alleinstellung am Markt.

Unsere Schwerpunkte sind die Photoelektronenspektroskopie und -mikroskopie, die bei uns etwa 70% der Aufträge ausmachen und die Rastertunnelmikroskopie mit etwa 30%.
Wir sind weltweit anerkannt für die Qualität unserer Produkte und für die Innovationskraft unserer Wissenschaftler und Ingenieure. Bei der Photoelektronenspektroskopie zum Beispiel können unsere Systeme in situ Reaktionen bei einem Druck bis circa 50-60 mbar Elektronen messen und auswerten. Mit etwa 30 installierten Systemen sind wir weltweit der Technologie- und Marktführer in diesem Bereich.

optiMST: In welche Produktgruppen gliedern sich Ihre Schwerpunkte und welche Kundengruppen nutzen Ihre Produkte?

Unsere Systeme werden meist in der Grundlagenforschung eingesetzt und haben in der Regel keine klar vordefinierten Anwendungsgebiete. Entsprechende Anpassungen für einzelne Aufgabenfelder entwickeln wir mit dem Kunden zusammen. Etwa 80% unserer Kunden sind wissenschaftliche Einrichtungen und etwa 20% Unternehmen. Die Unternehmen nutzen unsere Systeme ebenfalls für Forschungsprojekte, eher nicht für die Überwachung von Produktionsprozessen.

Unsere Systeme lassen sich in folgende Gruppen aufteilen:

  • Elektronenspektroskopie für die chemische Oberflächenanalyse (XPS).
  • Elektronenmikroskopie bei niedrigen Energien (LEEM/PEEM) ermöglicht in situ Untersuchungen dynamischer Prozesse an Oberflächen.
  • Near Ambient Pressure (NAP) XPS und SPM (Scanning Probe Mikroskopie) für die Untersuchung nicht-fester oder ausgasender Stoffe und in situ Untersuchungen chemischer Oberflächenreaktionen.
  • Enviro ESCA schafft zum ersten Mal die Möglichkeit einer quantifizierbaren Elementanalyse der obersten Schichten bei Drücken weit oberhalb der Ultrahochvakuums (UHV). Das ermöglicht es, eine ganze Welt von Informationen, von Flüssigkeiten, Gewebe, Kunststoffen oder Biomaterialien in einer Turn-key-Anlage mit hohem Durchsatz zu untersuchen. Vom Einsetzen der Probe bis zum Ergebnis in weniger als 10 Minuten.
  • Steuerungselektronik und Software ist integraler Bestandteil unserer Produkte. Gleichzeitig haben wir mit den Produktlinien Nanonis und Tramea marktführende Kontrollsysteme im Angebot, für die Steuerung und Datenanalyse komplexer Experimente mit Hochgeschwindigkeits-Datenanalyse und extremen Anforderungen an Signal to Noise Differenzierung. Solche Systeme werden zum Beispiel bei Quantum-Transport-Messungen eingesetzt, die wichtig für die Forschungsrichtungen, wie die Quanten Information Technology (QIP), sind.   

optiMST: Wie hoch ist Ihre Entwicklungs- und Fertigungstiefe und wieviele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Wir beschäftigen weltweit etwa 160 Mitarbeiter, davon 130 hier in Berlin. Die Technologien und unsere strategischen Hauptprodukte inklusive der Elektronik und Software entwickeln und produzieren wir selbst. Die Konstruktion und das Engineering werden ebenfalls vollständig intern erstellt. Für die Belieferung der von uns konzipierten Geräte und Systeme haben wir eine langjährige Zulieferbasis aufgebaut.  

optiMST: Wie bedeutsam ist für Sie der Standort Berlin und welche Vorteile bietet er aus Ihrer Sicht?

Zu allererst ist Berlin die Heimat, der Gründungsort der SPECS. Das verbindet. Das universitäre Umfeld in Berlin und die Attraktivität Berlins als Lebensort sind Standortvorteile, von denen die SPECS profitiert. Als forschendes, junges Unternehmen sind wir auf ein kreatives und internationales Team von Wissenschaftlern und Technologen angewiesen. Der Standort Berlin macht es uns leichter, dieses Team zu bekommen und zu halten.

optiMST: Wie können Branchenmitglieder aus Berlin-Brandenburg mit Ihnen kooperieren? Welche Themen und Technologien sind dabei besonders interessant für Sie?

Die Kooperationsmöglichkeiten sind sicher so vielfältig wie unsere Systeme. Zuallererst sind wir an fast allen Fragestellungen und Themen der Oberflächenanalyse interessiert, insbesondere interessieren uns Fragen und Themen der in situ Messungen bei höheren Drücken. Weiter gibt es viele Bereiche von der Elektronik bis hin zu neuen Fertigungsmethoden, die für uns Anknüpfungspunkte bieten können. Besonderes Interesse haben wir an verschiedensten Themenstellungen rund um Lasersysteme.

Potenzielle Kooperationspartner, die Anknüpfungsmöglichkeiten bei uns sehen, sind sehr willkommen und sollten keine Berührungsängste haben. Wir waren selbst lange ein kleines Unternehmen und sind immer bereit, Netzwerke mit aufzubauen. In Berlin haben wir schon viele Kooperationen mit Unis und Forschungseinrichtungen, hier gilt ein besonderes Interesse an Industriepartnern.

optiMST: Sie sind Mitglied im INAM-Netzwerk - was ist dabei für Sie besonders interessant und was erhoffen Sie sich von dem Engagement?

Ich bin persönlich sehr von Technologie begeistert. Die Idee, etwas Neues zu entwickeln und dann auch herzustellen. Etwas möglich zu machen, dass vorher unmöglich war. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wieviel Energie und Motivation es braucht, eine Idee Realität werden zu lassen und wie stark das Umfeld einer Idee die Luft zum Atmen nehmen kann. Da geht es einem jungen Entwickler in einem großen Unternehmen oft nicht anders als dem jungen Unternehmer in einem Start-up.  

Ich bin Mitglied im INAM, um mich von neuen Ideen begeistern zu lassen. Im Gegenzug biete ich meine Erfahrung und mein Netzwerk an, um die eine oder andere Idee schneller Realität werden zu lassen. Ich kenne viele Programme, aber Ansatz und Ziele des INAM und der AdMaCom sind wirklich gut.

Wenn dann eine Technologie auch für meine Unternehmen einen wirtschaftlichen Mehrwert schaffen kann, dann ist das die Win-win-Situation, die ich mir natürlich wünsche, die ich aber nicht erwarte und nicht zum Maßstab meiner Teilnahme am INAM machen möchte.  

Das Interview führte Markus Wabersky

VITA

© SPECS: Dr. Ferdinand Bartels

Dr. Ferdinand Bartels, geb. 25.10.1965 in Haselünne, Niedersachsen. Drei Kinder.

Abschluss als Diplom-Ingenieur und Promotion (Dr. rer.nat.) an der Universität Stuttgart. Schwerpunkt der Forschungsarbeit in Promotion und nachfolgender wissenschaftlicher Tätigkeit am Lawrence Berkeley Laboratory (USA) war die Entwicklung neuer Verbindungstechnologien für die Mikroelektronik.

Nach dem Wechsel in die Industrie hat er für die Degussa AG den Produktbereich Electronic Packaging Materials mit Produktionsstätten in Deutschland, USA und Singapur aufgebaut und geleitet. Als Business-Unit-Leiter der BU Assembly Materials in der W.C. Heraeus GmbH wurde eine erfolgreiche Expansionspolitik mit Schwerpunkt in China umgesetzt. Dr. Bartels ist Ehrenbürger der Stadt Zhaoyuan, Shandong China und Mitglied des Internationalen Wirtschaftssenat e.V.

Seit 2012 ist Herr Dr. Bartels als Geschäftsführer zuerst für die Omicron GmbH und seit 2014 für die SPECS Surface Nano Analysis GmbH verantwortlich.

Kontakt:

Dr. Ferdinand Bartels
Tel: +49 30 46 78 24-9100
E-Mail: Ferdinand.Bartels@specs.com

SPECS Surface Nano Analysis GmbH
Voltastraße 5
13355 Berlin / Germany
www.specs.com

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SPECS Surface Nano Analysis GmbH

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SPECS ist einer der führenden Hersteller von  Komponenten und individuell geplanten komplexen Systemen für die Oberflächenanalytik. Die Integration von Oberflächenpräparation, bzw. Dünnschichtabscheidung mit der Analytik ist dabei ein ein Aspekt wachsender Bedeutung. Die eingesetzten Analytikmethoden sind dabei sowohl mikroskopischer (Rastersondenmikroskopien und Elektronenmikroskopien), als auch spektroskopischer Art (Photoelektronenspektroskopie mit Röntgen- und UV-Licht, Augerelektronenspektroskopie und Elektronenverlustspektroskopie. Im anwendungsnahen Bereich wird eine Vielzahl von Analysemethoden in Richtung der Anwendung in Umgebungsbedingungen weiter entwickelt.
Insgesamt beschäftigt SPECS am Firmenhauptsitz in Berlin und am Nebensitz in Zürich mehr als 130 Mitarbeiter, die sich mit dem Design und der Herstellung von wissenschaftlichen Geräten für die Nanotechnologie, Materialwissenschaft und anderer angrenzender Gebiete beschäftigen.
Seit über 25 Jahren war das know-how, der Erfahrungsschatz, die exzellenten Kontakte zu Wissenschaftlern aus aller Welt, die Kundenorientierung und eine strenge Qualitätskontrolle der Endprodukte der Schlüssel zum großen Erfolg.
Ein professioneller Service und die Realisierung individueller Aufbauten wird erst durch die ausgezeichnete Ausbildung der Mitarbeiter, die zum großen Teil einen selber wissenschaftlichen Hintergrund in der Oberflächenforschung besitzen, ermöglicht und sichergestellt.
Ein internationales Netzwerk von Kooperations-, Vertriebs- und Servicepartnern steht ständig zur weltweiten Unterstützung der Kunden bereit.
Die Ergebnisse der Weiter- und Neuentwicklung bei SPECS werden ständig in neue Anwendungen im Bereich der Grundlagenforschung und angewandten Forschung, sowie in der Industrie eingesetzt.