Die deutsch-japanische Brille ist makellos

09.03.2017

In Potsdam vereint sich japanische Reduziertheit, das fernöstlich Puristische mit deutscher Gründlichkeit und Präzision. So beschreibt Thomas Akiyama, Geschäftsführer der Aoyama Optical Germany GmbH in der brandenburgischen Landeshauptstadt, das von ihm entwickelte Brillendesign unter dem Logo „makellos.Potsdam“. Diese Designidee ist so etwas wie ein Spiegel des Lebens von Thomas Akiyama.

© Aoyama Optical Germany GmbH

„Am liebsten“, sagt Thomas Akiyama, „wäre ich ein Leben lang ein Geheimtipp“, der unauffällig seiner Arbeit nachgehen kann. Doch er weiß selbst, dass dieser Wunsch nicht Erfüllung gehen wird. Nicht mehr. Dafür hat er schon zu viel erreicht. Thomas Akiyama ist der Geschäftsführer der Aoyama Optical Germany GmbH. Seit 2008 lenkt er die Geschicke der deutschen Niederlassung der japanischen Aoyama Group – eines Produzenten von Brillenfassungen mit Sitz in Sabae, westlich von Tokio gelegen. „Ich wollte immer zu einer japanischen Firma gehen“, erklärt Thomas Akiyama. Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat sowohl deutsche als auch japanische Wurzeln. In Hannover geboren, ist er in Tokio aufgewachsen und als Siebenjähriger wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Er ist ein Pendler zwischen den Kulturen geblieben.

Einer, der für seinen Job alles gibt. „Dinge, die mir wichtig sind, verfolge ich entschlossen und vom ganzen Herzen“, sagt der Japaner Thomas Akiyama. Er ist einer, der sich selbst vor allem als Europäer sieht. Dem es manchmal sogar schwer fällt, den Gedankengängen der Japaner zu folgen, wie der Deutsche Thomas Akiyama eingesteht. Die Aoyama Optical Germany GmbH vertreibt Brillenfassung aus japanischer Produktion an Kunden in Skandinavien, in Ost- und Südeuropa und natürlich im deutschsprachigen Raum. Demnächst stehen Kunden aus rund 40 Ländern auf der Kundenliste des Unternehmens. Rund 300.000 Fassungen werden pro Jahr verkauft. 23 Beschäftigte kümmern sich am Potsdamer Firmensitz um den Vertrieb.

Seit 2009 gab es – mit einer Ausnahme – für das Unternehmen Aoyama Optical Germany GmbH kein Jahr, in dem die Ergebnisse nicht besser waren als im Jahr zuvor. Thomas Akiyama wurde 2008 ins Unternehmen geholt, um schwarze Zahlen in die Bilanz zu bringen. Bereits im ersten Jahr konnte er  einen bescheidenen Gewinn ausweisen. Knapp zwei Jahre später – im Dezember 2010 – brachte er das Unternehmen von seinem angestammten Firmensitz im baden-württembergischen Leonberg nach Potsdam. Er wollte in die Hauptstadtregion wegen der besseren Erreichbarkeit für die internationalen Kunden. Und der Standort in der Medienstadt Babelsberg war für ihn perfekt: genügend Fläche für den ständigen Warenein- und -ausgang und dazu die unmittelbare Nähe zu den Kreativen der Filmwirtschaft.

Thomas Akiyama wollte mehr als den bloßen Vertrieb von Fassungen. Er wollte ein Brillendesign, das auch für angesagte Optiker in Städten wie Hamburg, München oder eben Berlin interessant ist. 2013 fing er damit an, die Marke makellos.Potsdam aufzubauen. „Makellos“ steht für den typisch japanischen Anspruch, der Perfektion möglichst nahe zu kommen. Der rote Punkt – wie die Sonnenscheibe auf der japanischen Flagge – verbindet die Wurzeln des Unternehmers mit seiner Wahlheimat. Er darf auch nicht bei den Namen der verschiedenen Linien der makellosen Brillen fehlen. Mit sans.souci, babels.berg, cecilien.hof und einstein.turm erobert das Potsdamer Brillendesign den Markt. Dabei immer auch an seiner Seite: der Potsdamer Augenoptiker Stefan Scharnbeck. Thomas Akiyama schätzt dessen „Diamantenauge“, wie er anerkennend sagt, und seine „hyperkritische Art“. Stefan Scharnbeck schaut sich als Mann der Praxis die Entwürfe an. Sind sie in der Produktion umsetzbar? Sind sie für den Kunden bequem zu tragen?

© Aoyama Optical Germany GmbH

Das Ziel von Thomas Akiyama: „Wir wollen sehr reduzierte, komfortable und sehr leichte Brillenfassungen, die sich gut anfühlen.“ Breite, auffällige Bügel – Fehlanzeige. Knallige Farben – wird es bei makellos.Potsdam nicht geben, egal wie modern sie auch gerade sein mögen. Aber einige auffällige Besonderheiten haben die Brillen dann doch: den roten Punkt am Bügelende als Markenzeichen von makellos.Potsdam und die Zahl 201. Sie steht für den 20. und den 1. Buchstaben im Alphabet. T und A – Thomas Akiyama.

Der Geschäftsführer, der seit gut drei Jahren auch der Gesellschafter von Aoyama Optical Germany GmbH ist, ist angekommen in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Seine makellosen Brillen werden zum Teil in Rathenow, in Brandenburgs Zentrum der optischen Industrie, produziert. Hier lässt er Fassungen aus dem Biokunststoff Acetat herstellen. Titanbrillen werden dagegen – gemäß ihrer Kernkompetenz – in Japan gefertigt.

Sie kommen aus Sabae. Dem Ort, in dem Thomas Akiyama 2008 seinen Vertrag mit der Aoyama Group unterzeichnet hat. Was er damals noch nicht wusste: Sabae ist auch der Geburtsort seines Großvaters, der in Japan eine Berühmtheit ist. Tokuzo Akiyama erlernte das Handwerk des Kochs. 1908 ging er nach Europa, um sein Handwerk zu perfektionieren und der beste Koch Japans zu werden. Er arbeitete im Berliner Adlon und später in Paris, im Hotel Ritz Carlton. Als Tokuzo Akiyama 1915 in seine Heimat zurückkehrte, war er ein Meister der französischen Küche und wurde Chefkoch am Hofe des japanischen Kaisers. Drei Kaiser hat der berühmteste Bürger von Sabae erlebt und beköstigt. Im Alter von 84 Jahren bat er demütig, in Rente gehen zu dürfen.

Der Enkel Thomas Akiyama wusste viele Jahrzehnte nichts von der Berühmtheit seines Vorfahren. Auf einer Messe der Optikbranche sprach ihn ein japanischer Kollege auf diese außergewöhnliche Familiengeschichte an – vor nicht einmal zehn Jahren. Seither entdeckt er diese Familiengeschichte peu à peu für sich. Er hat das Grab seines Großvaters auf dem Prominenten-Friedhof in Tokio besucht. Und er hat im Jahr 2015 mit großem Interesse das zwölfteilige TV-Drama im japanischen Fernsehen gesehen, in dem das Leben seines Großvaters verfilmt wurde. Titel: Des Kaisers Koch.

Mit dem Kochen, erzählt Thomas Akiyama, habe er es nicht so. Aber er mag gutes Essen. Am liebsten die japanische Art des Wiener Schnitzels. Ein Schnitzel aus Schweinefleisch mit einer ganz besonderen Panade. Tonkatsu heißt dieses Gericht.

Beruflich aber bleibt Thomas Akiyama lieber bei der optischen Industrie. Der Unternehmer arbeitet schon an einem ganz neuen Projekt. Er sieht noch Handlungsbedarf für kleine und schmale Brillenfassungen, die bezahlbar sind. In dieser Nische will Thomas Akiyama eine neue Lizenzmarke mit seinen Designideen platzieren. Im Sommer wird eine neue Kollektion vorgestellt. Auch diese Kollektion wird wieder die Eigenarten des deutschen und des japanischen Kulturkreises vereinen. „Ich glaube, die Arbeit für makellos.Potsdam hat mich letztlich zu meinen Wurzeln zurückgebracht“, resümiert Thomas Akiyama.

Hier können Sie das gesamte Interview mit Thomas Akiyama lesen.

Kontakt:

Aoyama Optical Germany GmbH
Geschäftsführer Thomas Akiyama
Großbeerenstraße 179
14482 Potsdam
Telefon: +49 331 979 99 40
E-Mail: thomas.akiyama@aoyama-optical.de
Internet: www.aoyama-optical.de