Aus der Optikerstadt in die Szeneläden

08.06.2017

Mit Brillengestellen aus Titan erobert die Rathenower MOM GmbH die internationalen Märkte. Auf der größten Messe der Optikerbranche in Paris, der Silmo, ist es dem mittelständischen Unternehmen mit seiner Kollektion Grafix gelungen, auf dem französischen Markt Fuß zu fassen. Zur Kollektion Grafix, die vom 36-jährigen Firmenchef Mathias Schröder entwickelt wurde, gehören mehr als 100 verschiedene Modelle. „Die Kollektion wird mit Sicherheit noch ausgebaut und erweitert“, kündigt der Geschäftsführer der MOM Mechanisch-Optischen-Metallverarbeitungs GmbH an. Schon jetzt werden Brillengestelle des Unternehmens in angesagten Läden verschiedener Großstädte angeboten.

Kurzporträt:

Die MOM GmbH in Rathenow ist ein mittelständisches Unternehmen mit 17 Beschäftigten. In dem Betrieb werden Brillengestelle aus Titan gefertigt. Mit den selbst entworfenen Kollektion verfolge man bei der MOM Mechanisch-Optischen-Metallverarbeitungs GmbH das Prinzip des Minimalismus: schlichtes Design mit hohem Tragekomfort und Flexibilität, erklärt der Geschäftsführer Mathias Schröder. Das Unternehmen ist in der Lage, auf Sonderwünsche der Kunden einzugehen und die Wünsche in Kleinserien umzusetzen. Die MOM GmbH wurde von Wolfgang Schröder, dem Vater des heutigen Firmenchefs, im Jahr 1999 in der Optikerstadt Rathenow gegründet. Gerade erst hat das Unternehmen in neue Maschinen wie Laser und Fräsen investiert. Ihr Know-how in der Metallverarbeitung bieten die Rathenower auch Drittkunden an. Hier ist die Firma auf den Bereich der Feinmechanik spezialisiert.


© MOM GmbH: Foto: Faserlaser

optiMST: Die MOM GmbH bringt es als mittelständisches Unternehmen beim Vertrieb ihrer Produkte auf eine Exportquote von 65 Prozent. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wolfgang Schröder: Unser Konzept ist es, die Entwicklung und Produktion unserer Brillengestelle von A bis Z im eigenen Haus zu haben. Wir haben das entsprechende Know-how dafür. Das eröffnet uns auch die Möglichkeit, spezielle Wünsche unserer Kunden umzusetzen. Die Optiker, die Modelle unserer Grafix-Kollektion bestellen, bekommen ihr eigenes Logo in den linken Brillenbügel gelasert. Dafür haben wir einen Beschriftungslaser. Wenn Optiker Brillen wollen, bei denen die Ohrenbügel etwas länger sind oder die Brücke über der Nase etwas größer ist – dann bauen wir das genau so. Diese Größenänderungen werden vor allem von Kunden in Österreich, der Schweiz und Deutschland in Anspruch genommen. Unsere Kollektion gibt es auch her, dass die Kunden unterschiedliche Farbkombinationen von Bügeln und Fassungen bestellen können. Die Brillengestelle der MOM GmbH bestehen aus Titan. Sie sind absolut allergiefrei, sehr flexibel und bei der Montage arbeiten wir ohne Schrauben. Es wird auch nicht geschweißt. Bügel und Fassung werden mit einem Spezialstift verbunden. Dieses besondere Scharnier hat mein Sohn entwickelt. Er ist auch derjenige, der die Ideen für neue Kollektionen hat.

Mathias Schröder: Minimalismus – das trifft es wohl am ehesten, wenn die Grafix-Kollektion in ihrer Gesamtheit beschrieben werden soll. Ich möchte ein schlichtes Design und ein Brillengestell, das in wenigen einfachen Schritten zu einem faszinierenden Produkt montiert werden kann. Das möchte ich auf den Markt bringen. Die Kollektion wird mit Sicherheit noch ausgebaut und erweitert. Vielleicht wird es auch Kollektionen geben, die ganz anders aufgebaut sind. Schon heute werden unsere Produkte in Top-Geschäften in vielen Großstädten angeboten.

optiMST: In welchen Ländern haben Sie Kunden?

Wolfgang Schröder: Unser Außendienst ist natürlich flächendeckend in Deutschland aktiv, aber auch in Spanien, Österreich, der Schweiz, Frankreich und China sind wir präsent. Dort haben wir einzelne Vertreter. Den Außendienst haben wir in den vergangenen drei Jahren aufgebaut. Der Sprung auf den französischen Markt ist uns Ende vergangenen Jahres gelungen. Das ist ein sehr schwieriger Markt – gerade für deutsche Unternehmen. Aber auf der internationalen Fachmesse Silmo in Paris hat sich ein französischer Kunde für die Grafix-Kollektion interessiert. Wir werden mit unseren Brillen in einem sehr angesagten Geschäft in Paris vertreten sein. Die Silmo ist die größte Brillenmesse der Welt. Da werden die aktuellen Trends abgesteckt. Dieses Jahr erfolgt unser 4. Messeauftritt.

Mathias Schröder: Die ersten Kontakte mit den französischen Partnern sind ein kleiner Einstieg, aber ein gutes Aushängeschild für unser Unternehmen. Das Szenegeschäft beliefert die Stars in Frankreich. In einem nächsten großen Schritt wollen wir uns auch den Markt hinter dem großen Teich erschließen.

optiMST: Wie wichtig ist bei Ihren Planungen der Standort Rathenow?

Wolfgang Schröder: Wir stammen beide aus Rathenow, der Optikerstadt. Hier gibt es eine lange Tradition der Brillenproduktion. In der Region haben wir keine Probleme, Fachkräfte für unser Unternehmen zu finden. Erst kürzlich haben wir einen Konstrukteur eingestellt, der uns bei der Arbeit an neuen Projekten unterstützen soll. 17 Beschäftigte haben wir derzeit. 20 sollen es in naher Zukunft werden. Die Optikbranche ist nicht allzu groß. Erst recht nicht, wenn es um Unternehmen geht, die ausschließlich in Deutschland produzieren. Man kennt uns inzwischen. Vor zwei Jahren ist ein Großkunde zu uns nach Rathenow gekommen, um einen Kurzfilm über unsere Fertigung zu drehen. Er wollte seinen Kunden zeigen, wo ihre Brillen produziert werden.

Mathias Schröder: Wir unterstützen auch die Region. Wir haben beispielsweise Schablonen für das Grüne Klassenzimmer im Optikpark Rathenow produziert und gespendet. Hier können Schulkinder interaktiv lernen.

optiMST: Wie wichtig sind Netzwerke für Ihre Arbeit?

Wolfgang Schröder: Wir sind immer daran interessiert, Kontakte zu neuen Kunden zu knüpfen. Damit meine ich nicht nur Kontakte zu Optikern. Wir bieten auch Produktionsdienstleistungen für Drittkunden. In jüngster Vergangenheit haben wir eine halbe Million Euro in neue Maschinen investiert, darunter Fräsen und Lasertechnik. Diese Anschaffungen wurden von der Investitionsbank des Landes Brandenburg gefördert. Bei der Auslastung der Maschinen haben wir noch Luft nach oben. Unser Spezialgebiet ist die Feinmechanik. Wir sind auf Kleinteile spezialisiert. Wir können Bleche bearbeiten, die bis zu einem Meter lang und 30 Zentimeter breit sind. Mit den eigenen Brillengestellen erwirtschaften wir 60 Prozent unseres Umsatzes. 40 Prozent machen Aufträge von Dritten aus.


© MOM GmbH: Foto: Glasfräse

optiMST: Kooperieren Sie mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen in der Region?

Wolfgang Schröder: Wir haben vor einiger Zeit zusammen mit der Fachhochschule Brandenburg, der jetzigen Technischen Hochschule Brandenburg, an einem Projekt zum Einsatz von Lasertechnologien in der Produktion gearbeitet. Dafür gab es den Innovationsgutschein des Landes Brandenburg. Ich hoffe, dass diese Kontakte eine Belebung erfahren. Erst kürzlich war Professor Eichstädt von der TH bei uns. Er ist Professor im neuen Studiengang Augenoptik und Optische Gerätetechnik. Er ist übrigens auch gebürtiger Rathenower. Professor Eichstädt war begeistert von unserer Lasertechnik, speziell von unserem Beschriftungslaser. Wir wollen sehen, ob sich die Gelegenheit für gemeinsame Projekte ergibt. Für Masterarbeiten seiner Studenten zum Beispiel, die sie bei uns schreiben. Und wir denken daran, auch bei der Einführung weiterer neuer Technologien wie dem 3-D-Druck mit den Brandenburgern zusammenzuarbeiten.

Mathias Schröder: Ich sehe da für die MOM GmbH auch die Chance, neue Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen.

Wolfgang Schröder: Ich habe schon häufiger angeboten, dass Studenten, aber auch Optikermeister zu uns ins Unternehmen kommen, um sich zu informieren und vielleicht Interesse an unserer Arbeit und unseren Produkten zu gewinnen. Wir sind jedenfalls stark an einer Zusammenarbeit mit der TH Brandenburg interessiert. Das ist doch auch Werbung für uns. Die Leute, die dort studieren, gehen später mal in aller Herren Länder – und sie behalten uns in Erinnerung.

Zu den Personen:

Wolfgang Schröder (67) stammt aus Rathenow und hat in den Rathenower Optischen Werken ROW Werkzeugmacher gelernt. Nach einem Studium wurde der Ingenieur der Feinmechanik zum Abteilungsleiter: Er war bei den ROW für die Produktion der Metallbrillen mitverantwortlich. 1999 gründete er die MOM Mechanisch-Optische-Metallverarbeitungs GmbH. Damals arbeiteten zehn Beschäftigte in der Firma. Heute sind es 17. Im Jahr 2014 übergab Wolfgang Schröder die Geschäftsleitung an seinen Sohn Mathias Schröder. Der Senior-Chef ist heute als Berater tätig.

© Ute Sommer: Foto: Wolfgang Schröder

Mathias Schröder ist ebenfalls gebürtiger Rathenower. Seit seinem 14. Lebensjahr hat er im Unternehmen seines Vaters geholfen. Vor allem der Werkzeugbau hat ihn interessiert. Der heute 36-Jährige hat bei der Heidelberger Druckmaschinen AG in Brandenburg eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Seit 2014 ist er der alleinige Geschäftsführer der MOM GmbH. Als kreativer Kopf des Unternehmens zeichnet er für die Entwicklung neuer Kollektionen und deren Linien verantwortlich.

© Ute Sommer: Foto: Mathias Schröder

Dieses Interview wurde erstellt von Dr. Ute Sommer für optiMST.

Kontakt:

Mathias Schröder
MOM GmbH
Jahnstraße 27
14712 Rathenow
Telefon: +49 3385 548640
E-Mail: info@mom-gmbh.de
Internet: www.mom-gmbh.de

Profile 
Mechanisch-Optische-Metallverarbeitung GmbH

weitere Informationen

Jahnstr. 27
14712
Rathenow
Telefon 
+49 (0)3385 / 548640

Mit dem Firmensitz Rathenow wurde ein Standort gewählt, der auf eine mehr als 200-jährige Tradition in der Feinmechanik und Optik zurückblicken kann.

1999 wurde das Unternehmen durch Herrn Wolfgang Schröder als Geschäftsführer gegründet. Herr Schröder studierte Feinmechanik und war seither diesem Industriezweig eng verbunden.
Der Juniorchef Mathias Schröder arbeitet seit 2004 im Unternehmen. 2009 wurde er zum 2. Geschäftsführer berufen.

Auf mehr als 1000 qm Produktionsfläche entwickelt und produziert die MOM GmbH mechanisch-optische Produkte. Dabei bildet die Fertigung von Brillenfassungen aus Titan den Schwerpunkt.

Mit Hilfe der Lasertechnik werden  im Unternehmen neue Wege in der Fertigungstechnologie beschritten. Für einen reibungslosen Fertigungsprozess sorgen mehrere Laseranlagen nicht nur in der Serienfertigung, sonder auch bei Einzelstücken.
Zum Maschinenpark gehören neben der Laserschneid- und schweißtechnik auch Widerstandsscheißanlagen sowie Hydraulikpressen bis 150 T.

Das spezielle wissen über die Verarbeitung von Titan in Kombination mit der dazugehörigen Technik bildet  ein komplexes Angebot für alle Kunden, bei denen ""Made in Germany"" im Vordergrund steht.