Auf dem Weg zur Killerapplikation

05.07.2017

Neueste Entwicklung der ixellence GmbH aus Wildau ist ein bildverarbeitendes System für exakte 3D-Vermessungen in Sekundenschnelle. Das Verfahren ix3D hilft Logistikunternehmen, die Volumina von Sendungen genau zu bestimmen und so die Beladung von Lkw und die Transportkosten zu kalkulieren. Das Unternehmen arbeitet bereits an Weiterentwicklungen von ix3D.

© Dr. Ute Sommer

Kurzporträt:

Die ixellence GmbH in Wildau ist spezialisiert auf innovative Entwicklungen und Produkte im Bereich der Bildverarbeitung. Das Unternehmen mit derzeit sieben Beschäftigten und freien Mitarbeitern hat seinen Sitz auf dem Campus der Technischen Hochschule Wildau. Firmengründer und Hochschulprofessor Ralf Vandenhouten möchte über ixellence unter anderem Forschungsergebnisse aus der Hochschule für den Markt aufbereiten. Mit ix3D bietet das Unternehmen ein bildverarbeitendes System für die Logistikbranche an, das „Objekte komplett dreidimensional vermessen kann“, erklärt Prof. Dr. Ralf Vandenhouten. Genutzt werden auch die Möglichkeiten, die die Smartphones für Neuentwicklungen bieten. Mit ihrer größeren Rechenleistung könnten sie jetzt auch in der Bildverarbeitung eingesetzt werden. So vertreibt ixellence mit ixMeter eine App, die den Stand von Strom-, Wasser- oder Gaszählern automatisch ausliest. Neben eigenen Produkten bietet das Wildauer Unternehmen auch Dienstleistungen an wie die Entwicklung von Projektionsmustern für Diffraktive Optische Elemente (DOEs). Mit diesen DOEs können Kunden eigene Mess- und 3D-Kameratechnik entwickeln. Für die aufwendige Berechnung solcher Muster mit spezifischen Eigenschaften – etwa einer hohen Robustheit gegenüber optischen Störungen – hat ixellence eigene Algorithmen entwickelt.

Interview:

Interview mit Prof. Dr. Ralf Vandenhouten, Gesellschafter der ixellence GmbH in Wildau

optiMST: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein bildverarbeitendes System für Volumenmessungen zu entwickeln?

Prof. Dr. Ralf Vandenhouten: Auslöser war die Anfrage eines Logistikunternehmens aus der Region. Der Betrieb brauchte eine schnelle und exakte Bestimmung der Längen von Lastkraftwagen, um die Kosten für Transporte besser kalkulieren zu können. Diese erste Idee der automatisierten Messung haben wir weiterentwickelt zu einem Verfahren, dass die kompletten Volumina von Ladungen vermisst. An einem Referenzmodell in der Schweiz haben wir Anfang 2016 gezeigt, dass unser System ix3D funktioniert. Innerhalb von zwei Sekunden erfasst das optische Vermessungssystem neben der Länge, Tiefe und Breite eines Gegenstands auch bis zu 300.000 dreidimensionale Messpunkte. Selbst bei großen Objekten sind die Abweichungen geringer als zwei Zentimeter. Das System besteht aus Messköpfen mit Kameras und Infrarot-Laser sowie einem leistungsstarken Prozessrechner. Solche Messungen sind gerade für Logistikunternehmen enorm wichtig. Es geht dabei nicht nur um die Kostenkalkulation, sondern auch darum, Ladeflächen effizient zu nutzen und möglichst viel Fracht unterzubringen.

optiMST: Welche Pläne haben Sie für dieses System?

Prof. Dr. Ralf Vandenhouten: Wir arbeiten in zwei Richtungen. Wir sind auf der Suche nach einem starken Vertriebspartner. Es wäre ideal, ein Unternehmen zu finden, das Lösungen für Logistiker vertreibt. Die ixellence GmbH ist sehr stark auf die Entwicklung ausgerichtet. Wir haben die Ideen und das Know-how für neue Produkte. Darauf wollen wir uns auch konzentrieren. Unsere Schwäche ist der Vertrieb. Da suchen wir einen Investor oder Partner. Eben jemanden, der zu uns sagt: Wir verkaufen – ihr müsst nur gute Produkte entwickeln. Das können wir. So arbeiten wir auch daran, das System ix3D weiterzuentwickeln. Es gibt bereits den Prototypen für eine Tabletlösung. Dabei reicht es schon aus, wenn ein Mitarbeiter eines Logistikunternehmens mit dem Tablet um eine Ladung herumgeht. Das System registriert automatisch die Ausmaße der Ladung. In einem nächsten Schritt wollen wir das optische Vermessungsverfahren so perfektionieren, dass die Volumina von Transportobjekten schon bestimmt werden, wenn sie beispielsweise auf einem Gabelstapler an einer Messstation vorbeifahren – die Maße des Gabelstaplers wiederum werden herausgerechnet. Das System erfasst einzig und allein die Ladung. Das wäre eine Killerapplikation, die alle haben wollen. Denn Zeit ist in der Logistik alles, was zählt. Und unsere Entwicklung sorgt dafür, dass viel Zeit eingespart wird.

optiMST: Sie sind an der TH Wildau Professor für Telematik und haben das Unternehmen ixellence an den Start gebracht. Was reizt Sie an dieser Doppelbelastung?

Prof. Dr. Ralf Vandenhouten: Bevor ich nach Brandenburg kam, war ich an der Universität in Aachen tätig. Ich habe dort studiert, promoviert und in einer interdisziplinären Forschungsgruppe gearbeitet. Ich habe damals die Erfahrung gemacht, dass an vielen spannenden Projekten gearbeitet wurde und dass auch viele Lösungen entwickelt wurden. Doch dann war die Projektarbeit beendet und aus den Lösungen wurde nichts gemacht. Das fand ich schade. Ich rede hier von der Third Mission der Hochschulen, also von der Erwartung, dass sie ihre Ergebnisse auch auf den Markt bringen. Das fand ich schon immer wichtig. Die ixellence GmbH ist nicht meine erste Firmengründung. In den 90er Jahren war ich an einer Firma beteiligt, die ein Datenmonitoring für den Bereich der Intensivmedizin entwickelt hat. Liegt ein Patient auf der Intensivstation, werden ständig Daten wie Blutdruck, Puls oder Sauerstoffsättigung ermittelt. Unsere Software hat diese Daten ausgewertet. Die Ergebnisse können bei Diagnosen helfen oder die Wirkung von Medikamenten dokumentieren. Diese Analysesoftware namens Dataplore vertreiben wir noch heute über ixellence.

optiMST: Warum haben Sie für die ixellence GmbH den Standort Wildau gewählt?

Prof. Dr. Ralf Vandenhouten: Für mich war es von Anfang an klar, dass die Firma ihren Sitz auf dem Hochschulgelände haben muss. Ich bin seit dem Jahr 2000 Professor an der TH Wildau. 2004 habe ich die Firma gegründet. Ich bin Gesellschafter und kümmere mich um Forschung und Entwicklung. Über ixellence sollen unter anderem Spin-off-Projekte mit Studierenden realisiert werden. Das geht nur, wenn es auch die räumliche Nähe von Hochschule und Firma gibt. Überhaupt hat sich der Standort Wildau als gute Wahl erwiesen. Die Berlinnähe ist ein Vorteil bei der Suche nach Fachkräften. Die meisten unserer Mitarbeiter wohnen in Berlin und Umgebung. Wir sind gut erreichbar. Sogar besser erreichbar als wir es in Berlin wären – dort kann man kaum mit dem Auto durchfahren. Und wie gesagt: Die Nähe zur Hochschule ist für uns essenziell. Auf dem Campus passiert derzeit sehr viel. Es kommen viele neue und innovative Unternehmen hierher. Wildau hat einen guten Ruf. Ich leite an der Hochschule die Forschungsgruppe Telematik. Für beide Seiten – TH und Unternehmen – ist es eine Win-w in-Situation.

optiMST: Der Telematik-Studiengang in Wildau ist bekannt für seine Entwicklungsarbeit im Bereich des Einsatzes von Drohnen. Ist ixellence hier auch aktiv?

Prof. Dr. Ralf Vandenhouten: Das Thema Drohnen ist gerade in meiner Forschungsgruppe Telematik immer virulent. Gemeinsam mit SIBB, dem Interessenverband für Unternehmen der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg arbeiten wir daran, Werkstandorte mit dem Einsatz von Drohnen automatisch aus der Luft zu überwachen. Schwerpunkt der ixellence GmbH ist und bleibt dabei die Bildverarbeitung. Hier wollen wir Produkte und Dienstleistungen anbieten.

© Dr. Ute Sommer, Foto: Prof. Dr. Ralf Vandenhouten

Dieses Interview wurde erstellt von Dr. Ute Sommer für optiMST.

Kontakt:

ixellence GmbH
Prof. Dr. Ralf Vandenhouten
Schwartzkopffstr. 7
15745 Wildau

Telefon: +49 3375 508359
E-Mail:  ralf.vandenhouten@ixellence.com
Internet: www.ixellence.com