Anwendungsorientierte Lasertechnik - Interview mit Ralf Ziegler, Geschäftsführer der Laser Electronics in Schulzendorf

13.11.2017

An Kunden in 20 Ländern der Welt gehen die Erzeugnisse der Laser Electronics aus Schulzendorf. Die Spezialität des Brandenburger Mittelständlers: Laserdiodencontroller, Lasertreiber und auch -kühler werden ganz nach den Anforderungen der Kunden entwickelt und in kleinen Serien produziert. An seinem zweiten Standort in Berlin-Adlershof plant das Unternehmen den Aufbau eines Applikationslabors. „Damit können wir Kundenanfragen noch besser analysieren“, erklärt Geschäftsführer Ralf Ziegler.
 
Kurzporträt:
Die Laser Electronics aus Schulzendorf ist einer der führenden Hersteller von Laserdiodencontrollern, Lasertreibern, TEC-Treibern und Laserkühlern. Komplette Laserdiodensysteme produziert das Unternehmen ebenfalls. Zu den Kunden des brandenburgischen Zulieferers gehören beispielsweise die Laserdiodenhersteller Jenoptik und die Dortmunder Limo GmbH. Eingesetzt werden die Laser sowohl von Industriebetrieben als auch von Forschungsinstituten, in der Materialbearbeitung, der Medizin und in der Sensorik. Die Leistung der Laser liegt meist zwischen 30 und 100 Watt – je nach Kundenanforderung. Die Produktionsstätte des Mittelständlers, der im Jahr 2003 an den Start ging, ist in Schulzendorf. Am Berliner Firmenstandort in Adlershof sind in der Laser Electronics LE GmbH Forschung und Vertrieb konzentriert. „Hier habe ich viele Möglichkeiten, mit Partnern in Industrie und Forschung zusammenzuarbeiten“, sagt Geschäftsführer Ralf Ziegler. Er ist davon überzeugt, dass die Anwendungsmöglichkeiten von Lasertechnik bei Weitem noch nicht ausgeschöpft sind.

Interview:
 

optiMST: Was genau sind Ihre Pläne für das neue Applikationslabor?

Ralf Ziegler: Ich möchte in dem Labor moderne Lasertechnologie installieren. Wenn Kunden zu uns kommen und fragen, ob für bestimmte Arbeitsprozesse auch Laser eingesetzt werden können, werden wir das in unserem Labor schnell testen können. Es ist doch so: Viele Produzenten, die bisher noch nicht mit Lasern gearbeitet haben, sehen jetzt die Möglichkeiten dieser Technologie und überlegen, ob das nicht auch etwas für ihre Fertigung wäre. Denken Sie nur ans Kunststoffschweißen, das Selektivlöten oder auch Gravieren. Das geht heute alles mit dem Laser. Oder in der Medizin: Haut-, Augen- und Zahnärzte setzen Laser ein. Und das nicht nur, um zu schneiden, sondern auch um Wunden zu veröden. Ein Gradmesser für mich als Hersteller von Laserdiodencontrollern, Lasertreibern und -kühlern sind die Kundenanfragen, die beispielsweise auf Messen wie der Laser World of Photonics in München an uns gerichtet werden. Das ist zugleich auch Inspiration, etwas Neues auszuprobieren. Dabei soll uns das Applikationslabor helfen. Im nächsten Jahr soll es einsatzbereit sein. Die Lasertechnik ist so vielseitig einsetzbar. Auch in den Bereichen der Nachrichten- und Sensortechnik eröffnen sich ganz neue Geschäftsfelder.

optiMST: Wie kann Laser Electronics davon profitieren?

Ralf Ziegler: Zum Beispiel über eine gemeinsame Forschungsarbeit mit dem Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM. In diesem Projekt geht es um die Entwicklung von Glasfasersensoren. Die Zusammenarbeit mit dem IZM eröffnet uns eine Technologietiefe, die wir allein als Mittelständler nicht darstellen könnten. Wir als Industriepartner stellen dann sicher, dass die entwickelten Technologien auf den Markt kommen. Ich glaube, an dieser Stelle profitieren wir von unserem zweiten Unternehmensstandort in Berlin-Adlershof. Im Jahr 2015 haben wir hier – in unmittelbarer Nähe von weiteren Unternehmen der Optikbranche und von Forschungsinstituten – Büro- und Laborflächen gemietet. Um nicht missverstanden zu werden: Wir sind ein Brandenburger Unternehmen, das in Schulzendorf produziert. Vorteil des brandenburgischen Standortes ist auch die Nähe zur Technischen Hochschule Wildau. Bei uns arbeiten regelmäßig Werkstudenten von der TH Wildau. In Berlin-Adlershof wiederum haben wir den Vertrieb und unsere Forschungsaktivitäten konzentriert. Wir können hier beispielsweise auf die Ressourcen von Partnern zurückgreifen. Die art photonics GmbH – ein Spezialist für Glasfaserlösungen – kauft unsere Lasersysteme, um Glasfasern aus eigener Produktion zu testen. Und wir kaufen bei unseren Nachbarn die Glasfasern ein.

optiMST: Wie wichtig sind Ihnen in diesem Zusammenhang Netzwerke?

Ralf Ziegler: Netzwerke sind für uns ganz wichtig. Ich war auch auf der Clusterkonferenz Optik und Photonik. Natürlich sind Fachtagungen wie diese eine Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen. Hier trifft sich die Branche. Hier kann man sehen, was die anderen machen. Was für mich aber nicht weniger wichtig ist: Über das Cluster werden auch Schwerpunkte der Branche definiert, wie zum Beispiel die Lasermaterialbearbeitung. Genau diese Schwerpunkte fließen dann in die Entscheidungen über neue Förderprogramme ein. Das ist für mich als Mittelständler enorm wichtig. Wie auch die Möglichkeit einer guten Öffentlichkeitsarbeit. Für die Forschungskooperation mit dem IZM ist übrigens das Fraunhofer-Institut auf uns zugekommen. Man kannte uns eben in der Branche. Wir sind einer der führenden Hersteller von Laserdiodencontrollern, Lasertreibern, TEC-Treibern und Laserkühlern.

Laserdiodencontroller mit Laserkühler und 75W Laserdiode von Laser Electronics / © Dr. Ute Sommer

optiMST: Wer sind Ihre Kunden?

Ralf Ziegler: Wir sind ein Zulieferer für die Hersteller von Laserdioden. Unsere Entwicklungen stecken in Lasern für die Materialbearbeitung, den medizinischen Bereich und für die Sensorik. 90 Prozent unserer Produkte gehen an Kunden im Ausland, beispielsweise nach Japan, Korea, China, Australien, Israel, Ungarn, die USA und Frankreich. Zu den Kunden in Deutschland zählen Jenoptik und die Limo GmbH in Dortmund. Auf dem Weg zu neuen Ideen steht bei uns immer das Kundengespräch an erster Stelle. Kunden kommen mit ihren Wünschen zu uns, die wir umsetzen. Und so entstehen neue Standardprodukte, die auch für andere Kunden interessant sein können. Das ist der Vorteil von mittelständischen Unternehmen: schnelle Entscheidungen und ein schneller Umbau in der Produktion. In unserer Branche geht es nicht ohne ständige Forschung, Entwicklung und neue Produkte. Wer stehen bleibt, hat schon verloren.

optiMST: Sie haben 2003 ihre Anstellung in einem Unternehmen der Branche aufgegeben, um sich selbstständig zu machen. Was reizt Sie am Unternehmertum?

Ralf Ziegler: Ich wollte irgendwann mehr. Nicht mehr Geld, sondern mehr eigene Ideen verwirklichen. So bin ich näher am Kunden und auch näher am Markt. Ich entscheide: Das und das mache ich jetzt. Und genauso habe ich die Freiheit zu sagen, ich breche ein Projekt ab. Ich habe als Ein-Mann-Unternehmen bei mir zu Hause im Keller angefangen. Heute sind wir im Unternehmen zu viert und auf der Münchener Leitmesse Laser World of Photonics bin ich als Aussteller längst nicht mehr an einem Gemeinschaftsstand, sondern bin mit einem eigenen Messestand für unsere Kunden da.

optiMST: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in etwa fünf Jahren und wie definieren Sie für sich Erfolg?

Ralf Ziegler: Erfolg heißt für mich, dass ein Kunde zufrieden ist und dass sein nächster Auftrag größer ist als der vorhergehende. Und natürlich, dass auch meine Mitarbeiter zufrieden sind. Für mein Unternehmen Laser Electronics habe ich mir das Ziel gesetzt, unsere Technologietiefe weiter auszubauen. Wie zum Beispiel über die Kooperation mit dem IZM in Berlin. Aus solchen Kooperationen möchte ich Produkte mit neuen Technologien entwickeln. Nach und nach wollen wir uns neue Geschäftsbereiche erschließen. Überlegen Sie nur, was inzwischen alles mit Glasfasern möglich ist. Man kann sie zusammen mit normalen Kabeln in einem Schacht verlegen. Eventuelle Änderungen des Laserstrahls zeigen Defekte der Kabel an. In Computern der Zukunft wird nicht mehr Strom von A nach B geschickt, sondern Licht. Wir müssen uns bewusst sein, dass Deutschland im Moment internationale Spitze ist, was die Lasertechnologien angeht. Selbst Japaner kaufen ihre Laser bei deutschen Firmen ein. Das dürfen wir nicht verschlafen wie so vieles andere. Hier muss weiter geforscht und entwickelt werden.

Das Interview führte Dr. Ute Sommer.

Zur Person:

Ralf Ziegler wurde in Sachsen-Anhalt geboren. Nach einer Ausbildung als Elektromechaniker studierte er in Göttingen Physik. Zehn Jahre lang hat der Diplomphysiker in der Optikbranche in Berlin gearbeitet, bevor er sich 2003 mit der Laser Electronics selbstständig machte. Das Unternehmen des 51-Jährigen hat seinen Sitz in Schulzendorf in Brandenburg. Im Jahr 2015 kam ein zweiter Standort in Berlin-Adlershof hinzu – die Laser Electronics LE GmbH. Die Laser Electronics hat sich als einer der Technologieführer in der Laserbranche etabliert.

Ralf Ziegler / © Dr. Ute Sommer

Kontakt:
Laser Electronics
Geschäftsführer Ralf Ziegler
Salzgitter Straße 30
15732 Schulzendorf
Telefon: +49 (0)33762 206015

Laser Electronics LE GmbH
Carl-Scheele-Straße 16
12489 Berlin
Telefon: +49 (0)30 6392 7820

E-Mail: info@laser-electronics.com
Internet: http://www.laser-electronics.com