Interview mit Dr.-Ing. Sebastian Maaß, Gründer und CEO der SOPAT GmbH

23.05.2017

„Wir wollen in den nächsten 10 Jahren Weltmarktführer werden und auf über 200 Mitarbeiter wachsen. Wir sind immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern in allen Bereichen und interessanten Kooperationspartnern.” Dr.-Ing. Sebastian Maaß im optiMST-Interview über die Innovationen und Ziele des Unternehmens.

Interview

optiMST: Herr Dr. Maaß, Sie sind Gründer und CEO der SOPAT GmbH. In welchen Geschäftsfeldern und mit welchen Produkten ist SOPAT im Markt vertreten?

Das SOPAT-System - Smart On-line Particle Analysis Technology - ist die Kombination einer photo-optischen Messtechnik und einer Bildverarbeitungs-Software. Es ist die Verwirklichung einer präzisen, photo-optischen Messtechnik zur in-situ Analyse von Partikelgrößen in Echtzeit. Dies findet – anders als bei offline Methoden – direkt im Reaktor statt, wodurch erstmals eine Prozesssteuerung auf Basis der Partikelgröße möglich wird. Basierend auf diesem Wissen können exakte Prozessführungsmaßnahmen festgelegt werden, da die Daten in Echtzeit zur Verfügung stehen. Die Tropfengrößenverteilung lässt sich mit der präsentierten Technik vor, während oder nach einer Reaktion einfach vermessen, da diese mühelos über Standardflansche in Rohrleitungen, Kolonnen oder Reaktoren eingeführt werden kann.

optiMST: Wo liegen die fachlichen Schwerpunkte von SOPAT und was ist das Besondere an den Produkten? Welchen Mehrwert erhalten Ihre Kunden mit dem System?

Unsere fachlichen Schwerpunkte sind die Software und die Algorithmen, die sonst keiner unserer Wettbewerber in dieser Form hat. Die Hardware besteht teils aus eigenen Entwicklungen, sie ist sehr modern, aber nicht absolut neu. Die Kamerasysteme sind hochwertige Systeme, die wir auf dem Markt hinzukaufen.

Die SOPAT-Software steuert die Mess-Apparatur, bestehend aus Kamera, Blitz und Frame-grabber, so dass durch die Sonde Bilder aufgenommen werden. Die SOPAT-Software führt mit den akquirierten Bildern eine vollautomatische Datenanalyse durch und steuert, den Ergebnissen entsprechend, die Drehfrequenz des Rührwerks an.

Die Bildanalyse gilt als die präziseste Form der Partikelcharakterisierung. Daher sind bildgebende Geräte (Mikroskope, Elektronenmikroskope und Kamerasysteme) Grundausstattung in Laboren und Forschungsstätten. Großer Nachteil ist der immense personelle und zeitliche Aufwand beim Auswerten der wertvollen Bilddaten. Wir ermöglichen das automatisierte Analysieren der Bilddaten. Die Kunden erhalten mittels unserer vollautomatischen Bildanalyse-Software quantitative Ergebnisse in Echtzeit. Mittels Screenshots geben wir einen Einblick in die Funktionsweise des Algorithmus sowie über die Qualität der Ergebnisse. Die Software kann zusätzlich auch über eine sichere Webplattform für herkömmliche Mikroskopbilder in Dienstleistung genutzt werden.

Als Verfahrenstechniker haben wir sehr viel Prozess-know-how und den gesamten Produktionsprozess beim Kunden im Blick. So können wir die Kunden sehr gut beraten und werden auch in Entwicklungsprozesse mit einbezogen.

Wie unser System funktioniert, ist sehr gut in einem Youtube-Video erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=CZb3XCkNnZA

optiMST: Welche Märkte bedienen Sie, wer sind Ihre Kunden und was kostet ein System?

Unsere wichtigsten Kunden sind vor allem Chemieunternehmen, die eine Vielzahl von Produktions- und Entwicklungsprozessen bewältigen müssen, bei denen Größe und Konzentration von festen oder fluiden Partikeln eine wichtige Rolle spielen.
Außer Unternehmen sind auch Forschungseinrichtungen ein wichtiger Kundenkreis. Wir sind auf dem Weltmarkt tätig. Unsere Wettbewerber haben in der Regel eine ähnliche Größe wie wir oder sind Abteilungen in größeren Unternehmen. Mit unserer Software und unseren Algorithmen sind wir weltweit Technologieführer - sogar unsere Wettbewerber setzen teilweise unsere Software ein. Die Kosten für ein System sind natürlich abhängig von verschiedenen Spezifikationen und Details - im Schnitt kostet ein System etwa 95.000 Euro.

optiMST: Warum haben Sie in Berlin gegründet und was gefällt Ihnen an dem Standort?

Das Unternehmen ist aus einem Projekt an der TU Berlin, Fachgebiet Verfahrenstechnik bereits im Jahr 1997 entstanden, einen ersten Prototyp gab es bereits 1998. Im Jahr 2005 habe ich meine Promotion zu diesem Thema begonnen, mit einem Schwerpunkt auf Software und Algorithmen. Davor war eine manuelle Auswertung am Bildschirm nötig. In den 5 Jahren meiner Promotion habe ich mit der Unterstützung von vielen Studierenden 128.000 Tropfen gezählt. Mit unserer Software schaffen wir das gleiche Ergebnis in zwei Stunden. 2012 wurde das Unternehmen gegründet und hat inzwischen auch Investoren wie zum Beispiel die Berliner Sparkasse, die uns sehr gut unterstützen.

Als Standort waren noch New York und London im Gespräch, neben den wissenschaftlichen Wurzeln in Berlin hat der Standort aber auch eine sehr hohe Lebensqualität. Das hilft uns, tolle Talente zu finden und zu halten. Viele potenzielle Mitarbeiter kommen gerne nach Berlin. Und natürlich gibt es auch schon viele hier vor Ort, die Vielzahl von Unis und Forschungseinrichtungen in Berlin hilft uns, in den unterschiedlichsten Fachbereichen hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden.

optiMST: Mit wievielen Mitarbeitern erreichen Sie welchen Umsatz? Wie soll sich das Unternehmen weiter entwickeln und in welchen Bereichen suchen Sie noch Kooperationspartner oder Mitarbeiter?

Wir haben im Moment 15 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon sind Softwareentwickler.
Unser Umsatz ist siebenstellig.

Wir wollen in den nächsten 10 Jahren Weltmarktführer werden und auf über 200 Mitarbeiter wachsen. Wir sind immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern in allen Bereichen und interessanten Kooperationspartnern. Besonders wichtig sind für uns die Optiken - da benötigen wir eine reproduzierbare Qualität und in Zukunft sicherlich auch noch Innovationen und neue Ideen. Dafür erscheint uns der Standort Berlin ebenfalls als sehr zielführend.

Das Interview führte Markus Wabersky.

 

VITA


© Foto Copyright: Urs Kuester

Sebastian Maaß ist Verfahrenstechniker Jahrgang 1979 aus Neustrelitz, Mecklenburg. Er begann sein Studium der Energie- und Verfahrenstechnik 1998 an der Technische Universität Berlin. In 2004 absolvierte er ein Trainee-Programm der Bayer AG bei Bayer Technology Services in Leverkusen. Seine Doktorarbeit begann er in 2005 welche er mit Auszeichnung beendete (summa cum laude). In 2012 erhielt er den Europäischen Nachwuchswissenschaftler Preis der EFCE (European Federation of Chemical Engineers) im Forschungsfeld Mischen. Sebastian Maaß ist Autor von mehr als 40 wissenschaftlichen Publikationen und mehr als 100 wissenschaftlichen Vorträgen. Er gründete zwei Firmen, wovon eine die SOPAT GmbH ist, deren Geschäfte er heute führt. Er ist seit 2004 verheiratet und Vater von zwei Töchtern, Luise (geb. 2007) und Antonia (2009) und einem Sohn, Philipp Titus (2017).

Kontakt:

Dr. Sebastian Maaß
Tel. 0049 (0)30 - 398 20 20 01
E-Mail: info@sopat.de
www.sopat.de